
Von öffentlichen Freizeitzentren wird heute weit mehr erwartet, als lediglich Sportmöglichkeiten bereitzustellen. Sie sind zu sozialer Infrastruktur geworden: Orte, an denen Gesundheit, Inklusion, gesellschaftliche Teilhabe und öffentliche Sicherheit täglich zusammenkommen. Im Riverside Leisure Centre in Chelmsford zeigt sich dieser umfassendere Auftrag in der gesamten Anlage – von den Schwimmbecken über die Eislaufbahn bis hin zu Fitnessbereich, Kursräumen und Sporthallen, die der lokalen Gemeinschaft das ganze Jahr über zur Verfügung stehen.
In diesem Interview gibt Oliver Neate, Leiter des Bereichs Schwimmsport im Riverside, Einblicke in seine Vorstellung davon, wie moderne Wassersicherheit in einer öffentlichen Freizeitanlage aussehen sollte. Von Aufsichtskultur und Mitarbeiterschulung bis hin zu inklusiven Angeboten und operativer Kontinuität spiegelt sein Ansatz die tägliche Realität eines stark frequentierten kommunalen Wasserbetriebs wider, in dem Sicherheit, Zugänglichkeit und das Vertrauen der Öffentlichkeit dauerhaft im Einklang stehen müssen.
Riverside liegt direkt am Fluss Chelmer und ist eng mit dem Stadtzentrum von Chelmsford verbunden. Sehen Sie die Anlage eher als nachbarschaftsnahe Einrichtung, als Anker im Stadtzentrum oder als Ziel mit größerer regionaler Anziehungskraft?
„Ich sehe Riverside sowohl als Anker im Stadtzentrum als auch als Anlage mit größerer regionaler Anziehungskraft, auch wegen der permanenten Eislaufbahn.“
Riverside ist nicht nur ein Schwimmbad, sondern ein multifunktionales öffentliches Zentrum. Wie prägt diese Mischnutzung den Aquatikbetrieb und das Besuchserlebnis?
„Wir müssen unser Programm rund um die anderen Aktivitäten im Zentrum planen. Zum Beispiel achten wir darauf, dass öffentliche Eislaufzeiten nicht mit Freizeitangeboten im Schwimmbad zusammenfallen, weil dann sehr viele Menschen gleichzeitig ins Zentrum kommen.“



Wenn Bahnschwimmen, Freizeitangebote, inklusive Angebote, Feiern, Tauchsport und Vereinsbetrieb denselben Wasserraum nutzen, wie setzen Sie Prioritäten?
„Wir schauen auf die lokale Demografie und auf die Nachfrage der Öffentlichkeit. Zum Beispiel ist es wichtig, ein hochwertiges Angebot zur Schwimmausbildung neben einem starken öffentlichen Sessionsystem anzubieten, damit alle Bedürfnisse abgedeckt werden.“
Die Schwimmkurse in Riverside sind derzeit vollständig ausgebucht. Was sagt das über die Nachfrage aus, und was ist die eigentliche Begrenzung?
„Die Hauptbegrenzung ist die verfügbare Wasserfläche, vor allem weil wir zugleich eine Vielfalt an Beckenaktivitäten für alle Nutzer anbieten wollen.“

Welche Maßnahme im Bereich Barrierefreiheit hat das Verhalten am Beckenrand am stärksten verändert?
„Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass dass Menschen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen die Schwimmanlagen unabhängig von persönlichen Barrieren nutzen können.“
Wie schaffen Sie eine Aquatikumgebung, die auch für Menschen willkommen ist, deren Bedürfnisse nicht immer sofort sichtbar sind?
„Als kommunal betriebene Einrichtung müssen wir für alle Menschen und alle Nutzer inklusiv sein. Wir haben robuste Richtlinien, um sicherzustellen, dass unser Personal sensibel und inklusiv handelt, und wir bieten bei Bedarf Schulungen an.“
Was bedeutet in Riverside gute Aufsicht, jenseits der bloßen Frage, ob genug Augen auf dem Wasser sind?
„Es bedeutet, sicherzustellen, dass Sicherheitsrichtlinien vom Personal so weit wie möglich vollständig durchgesetzt und eingehalten werden.“
Was hat Sie zu der Einschätzung gebracht, dass konventionelle Aufsicht allein nicht mehr ausreicht?
„Wir brauchten zusätzliche Maßnahmen, um die Rettungsschwimmer zu unterstützen und die Aufsicht zu verstärken, damit keine Vorfälle übersehen werden.“
Welche Kriterien waren bei der Bewertung eines Systeme zur Ertrinkungserkennung am wichtigsten?
„Bedienungsfreundlichkeit, Akzeptanz im Team und Preis-Leistungs-Verhältnis.“


Wie hat das System nach der Inbetriebnahme den Arbeitsalltag der Rettungsschwimmer verändert?
„Unsere täglichen Schichten und Positionen sind gleich geblieben. Wie bereits erwähnt, werden Ertrinkungserkennungssysteme als zusätzliche Maßnahme eingesetzt und nicht, um Personal zu reduzieren.“
Welche Veränderung hat seit der Einführung des Systems den größten Unterschied gemacht?
„Besonders wertvoll ist für uns die Möglichkeit, Vorfälle im Nachhinein anhand konkreter Aufzeichnungen nachvollziehen und gemeinsam auswerten zu können. Dadurch sind Nachbesprechungen deutlich greifbarer und zielführender geworden.“
Wie unterschiedlich fühlt sich Riverside zwischen Schulzeit, Ferien und Veranstaltungswochen an?
„Das Zentrum ist immer gut besucht, aber in manchen Ferienzeiten sind bestimmte Bereiche stärker ausgelastet. Im Winter ist zum Beispiel die Eislaufbahn stärker frequentiert, im Sommer dagegen das Schwimmbad. Das Fitnessstudio und die Sporthalle bleiben das ganze Jahr über relativ konstant.“
Wie sollte das nächste Kapitel von Riverside aussehen, während sich das Zentrum weiterentwickelt?
„ Stadtverwaltung schaut immer wieder nach Möglichkeiten, in den Betrieb zu investieren, um neue Angebote zu schaffen oder bestehende Leistungen für die lokale Gemeinschaft zu verbessern. Das ist der beste Weg, die Weiterentwicklung des Zentrums fortzusetzen und der Gemeinschaft weiterhin den bestmöglichen Service zu bieten.“
Aus Sicht von AngelEye ist das Riverside Leisure Centre ein Beispiel für eine öffentliche Wasseranlage, in der Technologie ihren sinnvollen Platz findet. Nicht mit dem Anspruch, Menschen zu ersetzen, sondern als Bestandteil einer umfassenden Sicherheitskultur, die auf Aufmerksamkeit, Zugänglichkeit, Professionalität und Verantwortungsbewusstsein basiert.
Unser herzlicher Dank gilt Oliver Neate für das Teilen seiner Perspektive sowie dem Riverside Leisure Centre in Chelmsford für seinen durchdachten und gemeinschaftsorientierten Ansatz im öffentlichen Badebetrieb.



